Innovationsmanagement UX

Lean UX: Teil 1 — Einführung

Lean

Während sich der Begriff Lean Jahrzehnte nur auf das Management und Prozesse in der Produktion bezog, hat sich durch den Lean Startup ein wahrer Lean-Boom entwickelt. Und auch vor dem UX-Bereich hat das „Lean“-Denken nicht Halt gemacht. Während genügend theoretische Abhandlungen über Lean UX geschrieben wurden, finde ich, wie in allen Methoden und Frameworks, viel wichtiger, die Essenz zu betrachten. Was ist der Kern, was ist der Nutzen und wie erreiche ich ihn?

Design und UX-Design

UX-(Design) teilt mit dem klassischen Design eine lineare Vorgehensweise. Durch einen Designprozess wird Design produziert. Danach kommt die Umsetzung. Vor allem im klassischen Grafikdesign war das Design fertig, um dann in Print-Produkten, wie Flyern, Katalogen, Anzeigen und anderen Medien umgesetzt zu werden. Im Produkt-/Industriedesign war man schon früher etwas mehr iteratives Arbeiten mit Prototypen gewöhnt.

Entwicklung agiler Arbeitsweise

Mit der Entwicklung von interaktiven Medien wuchsen Design und Software immer mehr zusammen. Die Abläufe blieben aber gleich, wie im klassischen Grafikdesign. Erst, wenn das Screendesign erstellt war, wurde es umgesetzt, z.B. als Website oder Software-UI. Stellte sich heraus, dass ein Designkonzept nicht gut funktionierte oder nicht durchdacht war, ging der gesamte Arbeitsprozess von vorne los. Zeit und Ressourcen wurden verschwendet.

Auch die Softwareentwicklung selbst war immer an ein starres Pflichtenheft gebunden. Dieses Pflichtenheft war der Anfang — und wurde aus reiner theoretischer Sichtweise „am Reißbrett“ erstellt. Theoretische Anforderungen, Wünsche und Planungen formten den Plan für die Entwicklung, ganz dem Wasserfall-Modell folgend, stand die Entwicklung am Ende. Auch hier wurden (und werden) Ressourcen und Zeit verschwendet, denn ein reales Projekt ist kein starres Gebilde — und niemand kann in die Kristallkugel schauen und einen Projektverlauf genau vorhersehen.

In der Softwareentwicklung wird schon länger mit agilen Prinzipien gearbeitet, z.B. mit Scrum. Auch das wird nicht immer konsequent umgesetzt, aber die Grundidee ist, die Entwicklung nicht als statischer Prozess zu betrachten, sondern so flexibel, dass man auf geänderte Anforderungen und auch Erfahrungen aus der Umsetzung reagieren kann.

The rise of Lean UX

Lean UX vereint nun diesen agilen Ansatz der Softwareentwicklung mit dem UX-Design. Design und Entwicklung werden nicht als zwei getrennte Bereiche gesehen. Das Design wird nicht zuerst komplett beendet, bevor eine Zeile Code geschrieben wird.

Man versucht, die Entwicklung und das Design möglichst nah beieinander und im Austausch zu halten. Idealerweise kann man auch noch die Research on-demand einbinden (Testing, Interviews, Observations) — sollte sich am Konzept aufgrund der Gegebenheiten etwas ändern.

Lean UX bedeutet in diesem Fall, dass man quasi den Film dreht, während das Drehbuch nur als Rohfassung vorliegt und auch längst nicht alle Kapitel geschrieben wurden. Und das, während man die Filmteile, die man schon im Rohschnitt fertig hat, direkt aus dem Schnittraum Publikum vorführt.

Entwurf eines Lean UX Prozesses

Aus langjähriger Prjekterfahrung hat sich für mich folgender High-Level-Prozess herausgebildet:

Prozessdiagramm Lean UX. Die Schritte sind: Research, Konzept, Wireframes, Lo-Fi-Prototypen, User-Tests, Anpassung Konzept und Umsetzung Lo-Fi-Design, Umsetzung Hi-Fi-Design

Was hier als lineare Liste erscheint, sollte iterativ gehandhabt werden. Der ganze Block wird wiederholt, im besten Fall für ein Scrum-Increment (oder vergleichbaren Deliverables). Gleichzeitig sollten auch die einzelnen Aktivitäten agil gehandhabt werden, d.h. beispielsweise, dass durch Ergebnisse der User-Tests mit Lo-Fi-Prototypen das Konzept, die Wireframes und Prototypen angepasst werden.

Im nächsten Teil meines Artikels werde ich die einzelnen Punkte ausführen. Dabei kommt dem Konzept besondere Bedeutung zu. Hier vereinen sich Scrum und UX durch Storyboards, Szenarien, Epics und User-Stories.